Elektrotechnik Ingo Peschel
  • Energie
  • Gebäude & Systemtechnik
  • Elektrotechniker-Meisterbetrieb

Eigenverbrauch bei Solaranlagen

Wie funktioniert Eigennutzung von Solarstrom?

Der von den Photovoltaik-Modulen erzeugte Gleichstrom wird vom Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt und in das Hausnetz eingespeist. Hier kann der Solarstrom von Elektrogeräten innerhalb des Hauses genutzt werden – das wird dann Eigenverbrauch genannt. Steht mehr Strom zur Verfügung als verbraucht werden kann, fließt der Überschuss in das öffentliche Netz. Für die Einspeisung von Solarstrom bekommen Anlagenbetreiber nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine Vergütung ausbezahlt. Inzwischen wird diese Vergütung monatlich angepasst – je nachdem, wie hoch die installierte Leistung ist. Derzeit liegt sie bei rund 11 Cent pro Kilowattstunde (kWh).

Solarstrom spart Stromkosten

Reicht der eigene Solarstrom zur Deckung des Verbrauchs nicht aus, wird die fehlende Menge aus dem Netz bezogen. Dafür berechnet der Energieversorger dann aktuell rund 29 Cent für jede verbrauchte kWh.

Und genau das macht den Eigenverbrauch von Solarstrom so sinnvoll: Die Einspeisevergütung für Solarstrom ist nicht mehr besonders hoch, dafür steigen aber die Kosten für den Strombezug aus dem öffentlichen Netz. Die attraktivste Lösung heißt deshalb konsequenterweise: Solarstrom erzeugen und im eigenen Haushalt verbrauchen. Damit der Eigenverbrauch mit dem Energieversorger abgerechnet werden kann, ist eine spezielle Anordnung der Stromzähler erforderlich. Die Stromzähler erfassen einerseits die Energieerzeugung, andererseits aber auch den Netzbezug und die Netzeinspeisung. Der Eigenverbrauch kann einfach errechnet werden, indem man die eingespeiste Energie (Einspeisezähler) von der erzeugten Energie (PV-Zähler) abzieht. Die Abrechnung des Eigenverbrauchs mit dem Verteilnetzbetreiber ist in der Regel unkompliziert. Oft erstellt er auf Basis der erwarteten Einspeise- und Eigenverbrauchswerte eine Gutschriftanzeige, auf der die Vergütung inklusive Eigenverbrauch bereits vollständig berechnet ist. Auf Basis der Gutschriftanzeige erfolgen dann die Abschlagszahlungen an den Anlagenbetreiber. Am Jahresende wird anhand der Zählerwerte kontrolliert und die Annahmen gegebenenfalls angepasst.

Solarstrom speichern und Eigenverbrauch erhöhen

Im Winter, wenn eine Photovoltaik-Anlage typischerweise geringere Erträge bringt, kann ein hoher Eigenverbrauch erreicht werden, da ein großer Teil des (vergleichsweise wenigen) selbst erzeugten Stroms auch im Haushalt des Anlagenbetreibers verbraucht werden kann. Dem hohen Eigenverbrauchsanteil steht eine geringe Autarkie gegenüber, weil die Anlage nur einen geringen Anteil des benötigten Stroms erzeugt und somit viel zusätzlicher Strom aus dem Netz bezogen werden muss. Im Sommer hingegen stellt die Photovoltaik-Anlage erheblich mehr Energie bereit, sodass der Solarstrom nur zu einem geringen Anteil selbst verbraucht werden kann – hier ist der Eigenverbrauchsanteil geringer, während die Autarkie steigt, denn die Solaranlage liefert dann einen erheblich größeren Anteil des im Haushalt benötigten Stroms.

Autarkie oder Eigenverbrauch?

Ab und Zu wird von Eigenverbrauch gesprochen, aber Autarkie gemeint. Die Bedeutung der beiden Begriffe unterscheidet sich jedoch deutlich: Eigenverbrauch meint den Anteil des erzeugten Stroms, der selbst verbraucht wird. Bei der Autarkie geht es um die umgekehrte Betrachtungsweise: Wie viel des eigenen Verbrauchs kann selbst erzeugt werden? Der Autarkiegrad ist für Stromkunden oft das näherliegende Kriterium, da er den vermiedenen Strombezug aus dem Netz meint und somit genau den Anteil darstellt, um den sich die Stromrechnung verringert. Die Betrachtung der erzielbaren Autarkie ist besonders dort wichtig, wo keine Anbindung an das öffentliche Stromnetz existiert.

100% Autarkie bedeutet, dass kein Strom mehr aus dem Netz bezogen werden muss, um den eigenen Verbrauch zu decken.

100% Eigenverbrauch bedeutet, dass kein selbst erzeugter Strom mehr eingespeist wird, weil der vollständig durch die Verbraucher im eigenen Haus genutzt werden kann. Das erreicht man beispielsweise mit einer klein dimensionierten PV-Anlage relativ schnell. Effizienter und wirtschaftlicher ist es aber, einen möglichst größeren Teil des im Haushalt benötigten Stroms mit Solarstrom zu decken. Der Eigenverbrauch ist dann optimal auf die Stromerzeugung und den Bedarf abgestimmt.

Solarstrom lohnt sich trotz einiger Mythen

Oft wird die Photovoltaik wegen einer angeblichen Belastung der Stromnetze kritisiert. Tatsache ist: Der Solarstrom wird in der Regel dort erzeugt, wo er auch verbraucht wird – nämlich dezentral bei den Verbrauchern, und entlastet schon allein dadurch das Netz. Je mehr Solarstrom Betreiber nicht nur an dem Ort, sondern auch zu der Zeit Erzeugung verbrauchen, desto besser ist das für das öffentliche Netz. Der Solarstrom ersetzt so den Netzstrom, der ansonsten extra herantransportiert worden wäre, gleichzeitig entfällt auch der „Abtransport“ der jeweiligen Solarstrommenge, wodurch das Netz aktiv entlastet wird.